BARNACK LEICA
(c) Frank Mechelhoff
                                                              NEW 5. August 2007          

Die Ur-Kleinbild-Reportagecamera

Ein paar Worte und Zahlen zum "Mythos LEICA"...

Leica Barnack

1925 geht die LEICA I als ausgereiftes Produkt in Serie: eine kompakte (aber beileibe nicht die erste) Camera für 35mm Kinofilm - noch ohne Messucher und einem festeingebauten fünflinisigem 3.5/50 Anastigmat. Der geniale Konstrukteur Oskar Barnack hatte über ein Jahrzehnt an ihrem Konzept gearbeitet.
1931 erscheint die Leica I C, die erste Kleinbildcamera mit wechselbaren Objektiven (M39 Schraubgewinde mit 0,97mm Steigung)
1932 erscheint die Leica II, die erste Kleinbildcamera mit eingebautem Entfernungsmesser, der mit der Entfernungseinstellung am Objektiv gekoppelt ist. Seinerzeit auch als "automatische Scharfstellung" bezeichnet (Autofocus, Ha!). Ein gekuppelter Entfernungsmesser war erstmals 1917 von KODAK in eine Rollfilm-Faltcamera eingebaut worden (FaltcameraNo.3-A Autographic Special) - Leitz ist der erste Hersteller der dies mit Wechselobjektiven fertigbringt.  Erst damit wird die LEICA auch ein großer Verkaufserfolg mit bedeutenden Stückzahlen. Da die Entfernungsmesser-Suchereinheit auf das Gehäuse aufgebaut wird (modulare Bauweise), lassen sich Leica I Modelle verhältnismässig gut (und preiswert) werksmässig umbauen.
1933 wird die Leica II auch mit Langzeitenwerk (Zeiten von 1/20s bis 1s und T) angeboten, erkennbar am separaten Langzeitenwählrad, und damit zur Leica III veredelt. Längst überfällig für eine Handcamera bei den damals erhältlichen Filmen - die empfindlichsten erhältlichen SW-Emulsionen bieten 17-18 DIN - bietet Leitz nun auch ein dem Stand der Technik entsprechendes (von Max Berek gerechnetes) hochlichtstarkes f/2-Objektiv an - das hier abgebildete Summar (sechslinsiger Gauss-Typ).
1935 wird die Leica  IIIa vorgestellt mit 1/1000s schnellester Verschlußzeit, die aber nur in chrom erhältlich ist. Die Verschlussablaufgeschwindigkeit bleibt aber die gleiche (1/20s). Später bietet die Leica auch Blitzsynchronisation.
1938 baut E.Leitz Wetzlar die seinerzeit enorme Stückzahl von 48.000 Cameras pro Jahr, ein Großteil davon geht in den Export - E.Leitz Wetzlar ist ein unverzichtbarer Devisen-Bringer fürs "Dritte Reich", später wird es auch "kriegswichtig".  Aber E.Leitz ist trotzdem keine "Nazi-Firma". Belegt ist dass der Firmenpatriarch,  Ernst Leitz II, in über 70 Fällen bedrohten Juden half: Die meisten erhielten eine Grundschulung als "Verkäufer" und wurden nach Amerika geschickt, wo sie entweder in der deutschen Leitz-Niederlassung oder befreundeten Fotogeschäften Jobs erhielten. "Jüdische Untermenschen" als Verkäufer für Deutsches High-Tech in der Neuen Welt... Die Nazis hassten Leitz dafür, bespitzelten und bedrohten seine Familie, aber sie können nicht auf ihn verzichten als Werksleiter. Keine Leica mit Hakenkreuz oder Nazi-Emblemen hat je die Werkstore in Wetzlar verlassen (entsprechende Fälschungen zu "sammeln" ist daher ebenso ahistorisch wie es von schlechtem Geschmack zeugt).

Leica III mit Voigtländer Heliar 1:3.5/50mm

Leica

Deutsch-Japanisches Team: Leica III (1935) mit Canon RF 1.4/50mm (ca.1960)
 
Zwar ist die LEICA nicht die erste Camera für 35mm-Film, aber sie verhilft dem Kleinbildfilm zum Durchbruch. Sie ist mit Wechselobjektiven und vielfältigem Zubehör die erste Kleinbild-Systemcamera -- und die Kleinbild-Reportagecamera schlechthin -- und wird es in den nächsten zwei Jahrzehnten auch bleiben. Ihre Form begründet einen Stil, und ihre Funktion ist Vorbild für hunderte ähnliche Cameras - hauptsächlich nach dem Krieg aus Japan. Vielseitig, klein, leicht (445g), robust - ist sie die erste Camera für die Jackentasche mit der man gute Bilder machen kann. Sie ist die erste Camera für den, der keine schwere Fotografier-Ausrüstung herumschleppen mag oder kann -  die Camera für
den Aufzeichner städtischer Milieus, für Wanderer, Bergsteiger und andere "Outdoorsportler" (als dieser Begriff noch in ferner Zukunft liegt)....

Leica

Mein Exemplar - von 1934/35, übrigens die älteste Camera meiner ganzen Sammlung - wurde auf Blitzsynchronisation umgebaut (Blitzkontakt auf der Oberseite). Umbauten waren damals sehr beliebt, und wurden von Leitz auch verhältnismäßig kostengünstig angeboten. Der Aufstecksucher mit 1,0-facher Vergrößerung und Leuchtrahmen für 50mm (Leica Typbezeichnung SBOOI) wurde in den frühen '50ern gebaut, erlaubt eine bessere Bildkomposition wie der stark verkleinernde eingebaute Sucher, auch für Brillenträger und ist insbesondere ideal für beidäugige Arbeitsweise. Auch 50 Jahre später gibt es noch nichts besseres. Der Entfernungsmesser vergrößert 1,5-fach und ist bei Tageslicht ausreichend präzise auch für lichtstarke Optiken, aber bei schlechtem Licht viel zu düster und kontrastschwach.

Leica

Das Summar (Exportversion mit Entfernungsskala in feet) war das erste Objektiv für die Leica mit Lichtstärke f/2 und galt nie als so leistungsfähig wie das hochgeschätzte 3.5/50 Elmar. Mein Exemplar wurde offenbar nach dem Krieg vergütet. Um die Cameras "jackentaschentauglich" zu halten waren alle frühen Objektive faltbar, auch das Nachfolgemodell Summitar und zunächst auch das Summicron.

Leica
In den späten 30'er Jahren wuchs der LEICA mit der CONTAX (der ersten Camera mit kombinierten Messsucher) ein starker Konkurrent heran, deren Objektive denen von Leitz insgesamt überlegen waren. Die Leica-Camera war jedoch kleiner, robuster und unkomplizierter als die Contax.
Die Leica III ist, auch für den heutigen Nutzer noch, eine herrlich minimalistische Camera. Sie hat genau das was eine Reise- und Reportagecamera unbedingt haben muss - nicht weniger, aber auch kein bißchen mehr!

Die LEICA II und III der frühen 30'er waren die wichtigste Camera in der Geschichte der Firma Leitz überhaupt. Mit ihr wurde aus einem mittelständischen Optikhersteller ein Camerahersteller mit Weltgeltung. Die evolutionäre Weiterentwicklung Leica M3 (1954) war - obwohl in fast allen Eigenschaften der Leica III überlegen - zugleich auch größer und schwerer. Man verliess die Linie, das Design der "Reisetauglichkeit" unbedingt unterzuordnen.
 

Und vielleicht war das auch ein Grund warum die Leica M3 den Camerabau in weniger starken Maße beeinflußte. Denn wenige Jahre nach iher Vorstellung  übernahmen die Spiegelreflexcameras die Spitzenposition im professionellen und Amateur-Cameramarkt.



contact:
Frank.Mechelhoff "at" gmx.de

(weitere Deutsche Cameras der 60'er und 70'er Jahre)
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Externe Links:
Die Leica-Geschichte bei Peter Lausch
Ernst Leitz II. und die Juden
Erwin Puts: Leica Lens Compendium (Web-Ausgabe)
Wann wurde mein Objektiv hergestellt? Leica Objektive nach Jahr (Seriennummern)


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