NIKKORMAT EL - die erste "automatische" von Nikon...

copyright by Frank Mechelhoff
NEW 11. Feb. 2007

Nikkormat chrome

Die Nikkormat EL war zwischen Ende 1972 und Mitte 1977 die erste NIKON SLR mit Zeitautomatik und elektronisch gesteuertem Verschluß. Mit ihr war die (seit 1965 hergestellte) Nikkormat-Familie - bei NIKON die unterhalb der Profi-Modelle F, F2 angesiedelte Produktreihe - technologisch an ihrem Höhepunkt angekommen.
Nach der Konica Autoreflex T [1968] und der Pentax ES (Electro Spotmatic) [1971/72] war sie die dritte semiprofessionelle SLR mit Belichtungsautomatik. 1 1/2 Jahre später zieht CANON mit der ähnlich aufgemachten EF nach, aber weder die Pentax noch die Canon können Offenblendmessung mit älteren Objektiven bieten. 3 Jahre später bringt auch Minolta eine Camera dieser Klasse auf den Markt, die (ebenfalls abwärtskompatible) XE1. Dabei setzen Pentax, Nikon und Minolta auf Zeitautomatik - Konica und Canon bevorzugen Blendenautmatik. Konica ist eine Außenseiter-Marke ohne großes Objektivprogramm, Pentax setzt noch auf M42 Schraubgewinde, obwohl man bereits am K-Bajonett arbeitet. Die Nikon ist die hoffnungsvollste Ihrer Klasse...



Die Elektronik dieser ersten Camera-Generation mit
"AE" (automatic exposure) ist noch nicht sonderlich kompakt; die Cameras geraten insgesamt etwas größer und schwerer als ihre nichtautomatischen Geschwister, und beruhen auch auf deren Mechanik. Auch die Nikkormat ist mit 765g kein Leichtgewicht. Der Preis beträgt anfangs um 1.000 DM mit dem 2/50mm Objektiv. Billig ist der Automatik-Komfort nicht zu haben..!

Nikkormat

Anders als bei den Vorgänger-Nikkormaten muss man bei der EL das Zeiteneinstellrad nicht am Objektiv-Bajonett, nahe dem Blendenring suchen, sondern hat es an der Stelle wie man es von den meisten anderen SLRs und auch der Nikon F (und den Nikkormat-Nachfolgern) kennt: Auf der Oberseite.



Technische Daten zur Elektronik: 74 Transistoren und 27 Kondensatoren, vereinigt in einem integrierten Schaltkreis, verbrauchen gemeinsam mit den notwendigen Leitungen so viel Platz, dass das Sucherprisma (im Vergleich mit der Nikkormat FTN) verbreitert werden muss. Benötigte Batterie: 6V-Silberoxid (Varta V28PXL o.ä.) - eingebaut im Boden des Spiegelkastens.

Das Objektiv, ein Nikkor-O (für achtlinsig) - C (für multicoated; ab 1973)  2.0/35mm ist ab 1965 das "35er" für den Profieinsatz und eins der lichtstärksten SLR-Weitwinkel - allerdings setzte  Nikon 1971 mit dem 1.4/35mm noch eins drauf...
Link: Nikkor-O 2.0/35mm bei www.mir.com.my
Unten: Die Konkurrenz: Distagon 1:2 f=35mm für die Westdeutsche Nobel-SLR Contarex (1965), Naheinstellgrenze 18cm (gegenüber 30cm beim Nikkor), Foto Marco Cavina
Nikkor-O
Contarex
Distagon

Das Distagon 2/35 (leider nur für die Contarex, nicht für die Rollei SL35 gebaut), zeigt dass Erhard Glatzel im mittleren und hinteren Abschnitt zu ähnlichen Lösungen kam wie die Designer von Nippon Kogaku




Wenn das Objektiv richtig einjustiert ist, entspricht die gezeigte Lichtstärke dem angeschlossenen Objektiv



Die Nikkormat EL hat den "Coupler-Pin" der übrigen Nikkormat-Cameras der in den "Aperture-Prong" des Objektivs eingreift und den eingestellten Blendewert für die Offenblendmessung überträgt. Größte und kleinste Blende werden der Camera bei jedem Objektivwechsel mitgeteilt indem man den Blendenring erst nach links, dann nach rechts dreht. Damit wird der Belichtungsmesser auf das Objektiv kalibriert, und so arbeitet das System sowohl mit den ältesten Nikon-Objektiven, als auch (sofern sie den "Aperture prong" haben) späteren, einschliesslich AI.
Zum Objektivwechsel muss 
der Blendenring noch auf f/5.6 und der "Coupler Pin" ganz nach links (von der Camerarückseite aus gesehen) gedreht werden - ein in der Handhabung ganz schön umständliches System ist der Preis dieser Vielseitigkeit...



Abblendtaste über dem Selbstauslöser, zugleich Meßwertspeicher-Taste (links auf dem Bild), rechts der Objektiv-Entriegelungsknopf und darüber die Spiegelvorauslösungs-Taste. Die Nikkormat-EL bot alles was damals ein Profi brauchte, ausser Wechselsuchern. Tatsächlich wurden viele von Profis als Zweitgehäuse neben den F oder F2 gekauft, standen diesen in Punkto Robustheit und Lebensdauer in nichts nach, und trugen dazu bei ihre meist notorisch skeptischen Besitzer zu überzeugen dass eine Zeitautomatik gar nicht unpraktisch ist. Die Nikon F3 hatte dann ja ebenfalls eine...



Nikkor-S
Nikon-Profiobjektiv über Jahrzehnte: siebenlinsiges Nikkor-S 1.4/50mm. Version von 1973, Vollmetallausführung, mit Mehrfachvergütung und zeitgenössischem Deckel.
Viele sagen dass die mechanische Qualität jener Jahre niemals wieder erreicht, oder übertroffen wurde. Dagegen ist schwer zu widersprechen
Die Deutschen Camerahersteller jedenfalls haben dem 1973-1974 nichts mehr entgegenzusetzen.

1977 kommt Nikon mit den neuen Objektiven mit AI-Blendenkupplung heraus, die das mechanisch aufwendige und zeitfressende Verfahren der Belichtungsmesser-Justage ("Ritsch-Ratsch") überflüssig macht und den seit immerhin 1959 bestehenden F-Objektivanschluss zum ersten Mal modifiziert. Die Nikkormat EL wird zur Nikon EL2 modifiziert und bietet mit den alten Objektiven nur noch Arbeitsblendenmessung -- während die "alte" EL als einzige von Nikon gebaute SLR mit Zeitautomatik mit Non-AI und AI Objektiven gleichermassen arbeitet.
Die Nikkormat EL-Reihe wird 1978 durch die Nikon FE abgelöst - kleiner, kompakter, gefälliger - fast wie eine Pentax..! Nun kann man sehen dass die Elektronik die Cameras wirklich kleiner macht. Aber: Offenblendmessung gibt es bei dieser und allen folgenden Nikons
nur noch mit den neuen AI-Objektiven, weitere 5 Jahre später lässt man an den Cameras den Blendenmitnehmer wegfallen und nicht umgebaute Non-AI Objektive lassen sich nur noch ohne die eingebaute Belichtungsmessung benutzen ...

Vorgänger: Nikkormat FTN und frühe Nikon SLR Objektive...


Weiter mit den NIKKOR-Objektiven bis 1973...

Externe Links zu frühen NIKON Cameras:
Peter Lausch's NIKON Geschichte
Nikon Historical Society Articles

Zurück zur Camera Hauptseite