NIKON S2 - die Camera die Zeiss-Ikon hätte bauen sollen...
copyright by Frank Mechelhoff

Neu 9. Jan. 2007

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Nikon Contax 1954 bringt der Weltmarktführer in Sachen Kleinbildfotografie, die Firma Ernst Leitz Wetzlar die Leica M3 auf den Markt. Sie ist keine revolutionäre Camera, aber ein immenser Fortschritt in Sachen Bequemlichkeit und Schnelligkeit der Bedienung. Neben dem Bajonettanschluß bringt sie vor allem Verbesserungen des Suchers: Das Sucherbild ist fast lebensgroß (0,91x), die Einblicksöffnung wurde wesentlich vergrößert - schon damals sind mindestens 50% der Fotografen Brillenträger, die das besonders angenehm empfinden. Außerdem ist die M3 die erste Kleinbildcamera mit einem Filmschnellspannhebel der diese Bezeichnung wirklich verdient, auch wenn man bislang noch mit zwei Zügen spannen muß. Auch zurückspulen kann man den Film jetzt schneller: dafür gibt es nun eine Kurbel.

Mit diesen Verbesserungen kann man nun den Rolleiflexen Konkurrenz machen die mit ihrem eleganten Aufzugsschwung seit Kriegsende von den Presse- und Werbefotografen Europas als Werkzeug bevorzugt werden. Und außerdem hält sich die Firma Leitz damit die zunehmend lästigen (und perfekter werdenden) japanischen Kopien der Leica-III vom Hals: Man ist wieder Technologieführer! Die M3 wird zu Leicas erfolgreichster jemals produzierter Camera (230.000 Stück).

Leider ist man weiter südlich in Stuttgart, bei der Firma ZEISS-IKON gegen diese Herausforderung nicht gewappnet, obwohl man dort nach eigener Ansicht die besten Cameras der Welt baut, und mit den verschiedensten Marken und Modellen des Konzerns 50% Weltmarktanteil hat. Vor dem Krieg hatte man mit der CONTAX II/ III die technisch ausgefeilteste, beste und teuerste Kleinbildcamera (mit den besten Objektiven) im Angebot. Seit 1950 baut man (nach gut 8 Jahren kriegsbedingter Unterbrechung) die Nachfolgerin, die neukonstruierte CONTAX IIa/ IIIa. Nun nicht mehr in Dresden sondern im ehemaligen Contessa-Werk in Stuttgart. Kosten rund 950 DM für Inlandskunden mit f/2.0-Standardobjektiv. Man verkauft sie mit dem Slogan "Die Ausgereifte" und sie unterscheidet sich (außer in der etwas verringerten Größe und dem geringfügig anderen Verschluß) kaum vom Vorkriegsmodell. Insbesondere hat sie noch den winzigen, stark verkleinernden Sucher

Nikon S2
Nikon S2 - both Pictures and cameras by Huub Lindhorst/  http://huubl.blogspot.com/

Bereits 1948, also früher als die Nachkriegsproduktion von Zeiss-Ikon, hat die japanische Firma Nippon Kogaku K. K. ihre "Nikon" (später Nikon I genannt) im Programm. Erst seit 1946 entwickelt die Firma (ein ehemaliger Optik- und Rüstungsbetrieb) überhaupt Kleinbildcameras. Die Nikon ist kompakter als die Vorkriegs-Contax (ähnelt in der Größe der späteren Contax IIa), hat dasselbe Objektivbajonett, aber eine geringfügig andere Steigungskurve der Messsucherkupplung. Sie hat einen (einfacheren) Tuchschlitzverschluß in der Art der Leica (1/500s anstatt 1/1250s schnellste Verschlußzeit). Und man bevorzugt in der Anfangszeit ein kürzeres (eigentlich harmonischeres) 24x32mm Filmformat. Im ersten Jahr werden nur etwa 740 Stück produziert, aber die Camera wird kontinuierlich weiterentwickelt und gewinnt einen gewissen Ruf unter amerikanischen Photojournalisten, die sie im Koreakrieg als (preiswertes) Ersatzgehäuse für ihre Contax schätzen lernen. Und auch einige der Objektive erreichen Carl Zeiss Standard!

Nikon
In den nächsten 1,5 Jahren (Nikon M) produziert man bereits 3.000 Stück - immer noch weniger als bei CANON die schon in der Vorkriegszeit Cameras bauten. Wichtiger ist für Nikon immer noch das Objektivgeschäft (auch für Leica Schraubgewinde). NIKON wird nun  ebenfalls bald in die USA exportiert, und der New Yorker Importeur Joe Ehrenreich für Nikon zum Glücksfall. Ehrenreich regt manche technische Verbesserung an, und die klugen Techniker in Japan hören auf den erfahrenen Praktiker! Von der nächsten Weiterentwicklung, der Nikon S baut man in den nächsten 3 Jahren 35.000 Stück, und damit rund 2/3 der Stückzahlen die Zeiss-Ikon mit der Contax IIa/ IIIa im gleichen Zeitraum erreicht.

ZEISS-IKON reagiert auf die Herausforderung Leica M3 nicht - ausser durch eine Preissenkung um 100 DM. Und es interessiert sie auch nicht dass ein unbekannter japanischer Hersteller eine nahezu kompatible "Billigversion" auf dem Markt hat - die bei Lichte betrachtet, eigentlich gar keine schlechte Camera ist... Sie konzentrieren sich aufs SLR-Geschäft. Die CONTAFLEX läuft erfolgreich an, und man beginnt an der Contarex zu entwickeln.

Im Gegensatz dazu hat NIKON sehr wohl eine Antwort auf die M3 - die S2. "Fastest handling in 35mm film" sagt die Werbung - und nicht ganz zu Unrecht!

Dass die Nikon S2 keine "Billigcamera" mehr ist, zeigt der Preisvergleich im wichtigsten Exportmarkt der Welt
(  Preisliste Fotoversand Sears, Roebuck& Co. 1956  Preise in US-Dollar  )

Leica M3 m.  Summicron 2.0/50mm

447.00
Exakta VX (m. Prisma) u. Schneider Xenon 1.9/50mm
398.70
Contax IIa m. Sonnar 2.0/50mm
345.00
Rolleiflex F2.8D (6x6 TLR) m. Schneider-Xenotar 2.8/80mm
309.50
Nikon S2 m. Nikkor-H.C. 2.0/50mm
299.50
Contaflex II (Zentralverschluss SLR) m. Tessar 2.8/50mm
199.00
Tower 35 (Nicca/ Leica III copy) m. Nikkor-H.C. 2.0/50mm
169,50
Tower 24 (Asahiflex II SLR m. Lichtschacht) u. Takumar 2.4/58mm
98.40

Was bietet die S2 gegenüber der Contax ?
Vom Modell S2 werden von 1954 bis Anfang 1958 knapp 57.000 Exemplare hergestellt. Zeiss-Ikon baut in dieser Zeit noch maximal 45.000 Stück (letztere Zahl ist geschätzt anhand der bekannten Seriennummern-Bereiche; die Zahl der tatsächlich hergestellten Cameras kann geringer sein). Jedenfalls: Nikon hatte Zeiss-Ikon auf dem Gebiet in dem sie technologisch führend waren, der Messsuchercamera, überholt. Sie waren die ersten denen es gelang eine Deutsche Firma zu schlagen. Canon und Pentax folgten später in ihren Fußstapfen. Zeiss-Ikon stellte sich in der Folge leider als schlechter Verlierer heraus und untersagte in den 1960'er Nippon Kogaku im Deutschen Sprachgebiet mehrmals gerichtlich, den Namen N"IKON" zu verwenden. Aber da war man bereits auf dem absteigenden Ast...

Interessanterweise wird das Design der Nikon S2 für so gut befunden dass nicht mehr nur die Schraubleica, sondern auch diese Camera von anderen Herstellern in Japan kopiert wird. Aber den reinen "Kopisten" geht es in den nächsten paar Jahren an den Kragen, sie werden vom Markt gedrängt. Niemals ist der Fotomarkt so transparent wie in jenen Jahren, ist Qualität so offensichtlich feststellbar.

Und das ist nicht die letzte Antwort von Nikon an Contax:
Zwei Jahre später macht man aus der S2 die erste Kleinbildcameras der Welt die man serienmässig mit elektromotorischem Aufzug bekommt. Man bringt ein Standardobjektiv der Lichtstärke f/1.1 heraus.

1957 bringen drei japanische Hersteller unabhängig voneinander drei Kleinbildcameras für anspruchsvolle Amateure und Profis heraus, die sowohl vom eigenständigen Design her, als auch durch überlegene technische Eigenschaften die Produkte der Deutschen Fotoindustrie überflügeln. Es ist das Jahr indem die Japaner erstmalig auf gleicher Augenhöhe wahrgenommen werden. Jede dieser Cameras wird ein wirtschaftlicher Erfolg und begründet Legenden. Jede ist auf der Photokina 1957 zu sehen. Niemand braucht im Unklaren zu sein was jetzt geschieht.

Diese drei Cameras sind die Nikon SP, die Canon V/L-Serie, und die Asahi Pentax.

­ Schon drei Jahre zuvor hätte man hellhörig werden müssen angesichts des Erfolgs der Nikon S2.
Die Ausgereifte

Jetzt ist Kassandras Ruf schrill und unüberhörbar.

Doch die Verantwortlichen der Deutschen Fotoindustrie haben taube Ohren...

Externe Links zu frühen NIKON Cameras:
Peter Lausch's NIKON Geschichte
Nikon Historical Society Articles

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